Rede der Landtagspräsidentin anlässlich der Ausstellungseröffnung
"Zukunft will verantwortet werden - Dietrich Bonhoeffer 1906 - 1945"
am 19. September 2006, 13.00 Uhr, Wandelhalle des Landtags

Herr Präses Schneider,
 
Herr Kirchenrat Krebs,
 
verehrte Herren Schlingensiepen,
 
Vater Ferdinand und Sohn Hellmut,
 
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
verehrte Gäste!
 
I. Nach der musikalischen Einstimmung durch den Chor und das Orchester des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Hilden begrüße ich Sie sehr herzlich zu einer Ausstellungseröffnung, die von Hellmut Schlingensiepen eigens für den Landtag konzipiert worden ist und deshalb auch drei Wochen hier zu sehen sein wird. Daran können Sie erkennen: Es handelt sich um eine Ausstellung von besonderer Bedeutung, weil sie das Leben und Wirken eines besonderen und großartigen Menschen darstellt: Ich meine den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. Herr Präses Schneider, bereits am 20. Mai durfte ich am Festakt der Evangelischen Kirche im Rheinland zu Ehren des 100. Geburtstages von Dietrich Bonhoeffer in der Gemarker Kirche von Wuppertal-Barmen teilnehmen - der evangelischen Gemeinde, in der Johannes Rau aufwuchs und die ihn nachhaltig prägte. Wenn wir heute Dietrich Bonhoeffer mit der Ausstellung "Zukunft will verantwortet werden" würdigen wollen, unterstreichen wir damit ausdrücklich: Dietrich Bonhoeffer steht nach wie vor im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Und es gibt wohl keinen besseren Ort, als dies im Landtag, dem Haus der 18 Millionen Menschen in NRW, zu demonstrieren.
 
II. Über Dietrich Bonhoeffer kann man in verschiedener Weise sprechen. Sein Leben und sein Werk zeigen es ja: Wir sprechen natürlich vom evangelischen Christen, dem Theologen und Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, dem profilierten Vertreter der "Bekennenden Kirche". Wir sprechen von Dietrich Bonhoeffer, der es in seiner tiefen Frömmigkeit fertig brachte, aus dem Konzentrationslager anrührende Gedichte zu schreiben, so auch an seine Braut Maria. Sie kennen es alle: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Solche Verse haben seitdem Menschen in den Gefängnissen der Diktaturen überall auf der Welt ermutigt und ihnen Kraft gegeben. Und dass er von den Nazis erst mundtot und dann ermordet wurde, lässt uns über den politischen Menschen Bonhoeffer sprechen, der Widerstand leistete und dabei auch als ultima ratio den Tyrannenmord nicht ausschloss.
 
III. Bonhoeffer war kein Übermensch. Er war ein Mensch mit Gefühlen und Hoffnungen, auch mit Ängsten. Dietrich Bonhoeffer wusste, ebenso wie Nikolaus Groß, sein katholischer Verbündeter im Widerstandskampf aus meiner Heimat Niederwenigern, auf welch gefährlichen Weg er sich begeben hatte. Doch ließ ihm seine Verantwortung vor Gott und den Menschen keine andere Wahl. "Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen", begründete Bonhoeffer sein Tun. IV. Dietrich Bonhoeffer bekannte - und so sehe ich es heute als politisch Verantwortliche, selbst wenn die Zeit eine ganz andere ist: "Es gibt keinen Rückzugsort des Christen von der Welt. Jeder Versuch, der Welt auszuweichen, muss früher oder später mit einem sündigen Verfall an die Welt bezahlt werden." Zur Welt zu gehören, heißt heute für mich: In dieser Welt und für unser Land Verantwortung zu übernehmen. Es heißt, nicht auszuweichen vor der Verantwortung und damit vor der Gefahr, Falsches zu tun. Und wer vor lauter Angst, Fehler zu machen, notwendiges Handeln unterlässt, verfehlt seinen Auftrag als Christ.
 
Dietrich Bonhoeffer erinnert an diesen Auftrag. Das ist einer von vielen Gründen, ihn im 100. Jubiläumsjahr mit dieser Ausstellung dankbar zu würdigen. In seinem Sinne sage ich deshalb: Lassen Sie uns Christen mutig und zuversichtlich sein!
 
Ich danke Ihnen.