Engagierte Schüler, eine knapp vierstündige Diskussion und viele provokante Fragen:
Geduld brauchte Landtagspräsidentin Regina van Dinther bei ihrem Schulbesuch in Schwerte.

Den von der Landtagspräsidentin einmal geäußerten Gedanken, die Schüler in NRW seien zu unpolitisch, hatte nämlich die Lokalpresse zum Anlass genommen, in diesen drei Schulen nachzufragen, ob das stimme. Der Besuch in Schwerte war also als Gelegenheit gedacht, daüber ins Gespräch zu kommen.
Die Schüler nahmen sofort am Anfang der Diskussion das umstrittene Thema auf. Die Landtagspräsidentin erklärte einführend, dass sich ihre in den Medien zitierte Meinung auf Erfahrungen aus ihrer Schulzeit bezieht. Damals habe man im Vergleich zu heute viel mehr über Politik gesprochen, sich intensiver mit aktuellen Fragen der Politik auseinandergesetzt und „mehr gestritten“.
Die Schüler aus Schwerte versuchten, die Präsidentin zu überzeugen, dass auch sie sich politisch engagieren - unter anderem wiesen sie auf die Demonstration gegen Kopfnoten hin, welche vor einigen Tagen stattfand. „Heutzutage muss man auf die Straße gehen, um die Politiker auf die Probleme der einfachen Leute aufmerksam zu machen", war die Meinung der Schüler, um gegen Macht und Bürokratie in der Politik zu demonstrieren. Darauf hin antwortete die Landtagspräsidentin, dass Demonstrationen nicht der einzige Weg seien, um eigene Interessen durchzusetzen: „Proteste, lautstarke und aufgeregte Auftritte reichen nicht“, so die Präsidentin. Die Aktivitäten auf der kommunalen Ebene sowie in Jugendzentren sollten nicht außer Acht gelassen werden. Die Landtagspräsidentin versuchte, den Schülern zu erklären, dass Politik Demokratie bedeute: Mehrheiten müssten gewonnen werden, um die Ideen realisieren zu können, was mit viel Geduld verbunden sei.
Nicht zu kurz kamen auch die Themen der Schulpolitik: Zentralabitur, Ganztagsschulen, Kopfnoten sowie Sprachförderung unter Kindern mit Migrationhintergrund.
Als besonders umstritten erwies sich das Thema der Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre. Die Meinung der Schüler war, dass der Preis dafür zu hoch sei: „Wäre Ihnen ein Studienabschluss mit 25 wichtiger als eine schöne Kindheit?“, lautete die Frage einer Schülerin. Die Präsidentin antwortete, dass die Aufgabe des Staates nicht darin bestehe, alles zu bestimmen, sondern „den Rahmen zu schaffen“. Die Familie sei ein Ort, wo viel stärker darüber diskutiert werden müsse und wo die endgültigen Entscheidungen getroffen werden sollten. Darüber hinaus müsse man beachten, so die Präsidentin, dass im internationalen Vergleich die Deutschen sehr spät mit ihrem Studium fertig seien und deshalb die deutschen Absolventen auf dem Arbeitsmarkt weniger konkurrenzfähig seien.
Die Schüler betrachteten die Einführung von Studiengebühren als eine „mentale Hürde“, die die Entscheidung für die Aufnahme eines Studiums erschwere. Die Präsidentin bemerkte dagegen, dass die BAföG-Empfänger von den Gebühren befreit seien, dass die Zahl der Studienanfänger im Jahre 2008 gestiegen sei - und zwar in allen Bevölkerungsschichten.
Mit der Botschaft der Präsidentin „Macht euch auf den Weg, ihr schafft das!“ wurde die spannende Diskussion in Schwerte erst um 15 Uhr abgeschlossen - in der Hoffnung, dass beim nächsten Besuch der Schwerter Schulen nur von Erfolgen der an dem Treffen teilgenommenen Schüler zu berichten sein wird.
Fotos und Text: Łukasz Kumięga, Johannes-Rau-Stipendiat
