Ehrenamt als Eintrittskarte in den Beruf

Landtagspräsidentin besuchte
Theodor-Heuss-Schule in Krefeld

Anlässlich eines Patenprojektes – junge Krefelder Bürger unterstützen Jugendliche der Hauptschule – besuchte eine Gruppe von Schüler und Schülerinnen vor einem Jahr den Landtag in Düsseldorf. Dort wurde die Idee geboren, die Landtagspräsidentin nach Krefeld zu einem Gegenbesuch einzuladen.
Am 16. Oktober war es soweit: Die Landtagspräsidentin kam zu den Schülern der Theodor-Heuss-Hauptschule, um ihnen Politik näher zu bringen. Hier hatte Regina van Dinther als ehemalige Hauptschülerin eine besondere Vorbildfunktion, denn die Präsidenten war selbst ja mal an dem gleichen Punkt wie die Schüler es jetzt sind. An ihrem Beispiel konnten die Schüler sehen, was man mit Hauptschulabschluss im Leben erreichen kann, wenn man sich weiterbildet.
 
Gespannt hörten die Jugendlichen zu, als Regina van Dinther ihre Laufbahn von der Hauptschule bis zur Präsidentin des Landtags NRW schilderte. “Für die Hauptschüler ist van Dinther eine authentische Beraterin, da sie aus eigener Erfahrung spricht“, freute sich Schulleiterin Birgita Heinike. Gemeinsam mit den Initiatoren des Patenprojektes arbeitet sie daran, den Schülern Mut zumachen. Denn die Hauptschule liegt im südlichen Stadtteil Stahldorf, der durch unmittelbare Nähe zum Thyssen Krupp Nirosta Werk geprägt ist.
Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund beträgt mehr als 70 Prozent. Berufshinführung und Sprachförderung sind Schwerpunkte der Schule. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Hoffnungslosigkeit zu überwinden“, so die Landtagspräsidentin. „Wer zweisprachig aufgewachsen ist, wird heute gebraucht. Wenn Kinder den kulturellen Hintergrund ihres Herkunftslandes ebenso wie Deutschlands kennen, ist das ein Vorteil. Wir müssen vor Ort den Jugendlichen vermitteln, dass sie gebraucht werden.
Schön wäre es, wenn sie lernen, dass das Ehrenamt eine Eintrittskarte in den Beruf ist.“ Regina van Dinther selbst ist über Ehrenämter zur Politik gekommen. „Wir brauchen nicht die Einser-Schüler, sondern Persönlichkeiten“, so die Präsidentin.
Angst vor Ausländerfeindlichkeit und Chancenlosigkeit beherrschte auch die anschließende Diskussion. Aber es kamen auch Fragen zu aktuellen politischen Themen: „Wollen noch andere Länder den Euro einführen?“, wurde beispielsweise gefragt (Antwort der Präsidentin: Die Slowakei führe die Währung zum 1.1.09 ein).
 
Eine andere Frage zielte auf die mögliche Grundgesetzänderung, die ermöglichen könnte, dass das Militär auch im Inland eingesetzt wird (Antwort der Präsidentin: Für jegliche Änderung brauche man eine Zweidrittelmehrheit, d.h. eine Partei allein kann niemals der GG ändern, ob die Änderung komme, sei nicht sicher).
Für Gelächter sorgte die Frage: „In Cafés, in denen man Wasserpfeife rauchen kann, darf man jetzt erst ab 18 - bleibt das etwa so?“ Regina van Dinther warnte eindringlich vor den Gefahren des Rauchens: „Genau diejenigen sind sehr gefährdet, die schon früh den ersten Joint geraucht haben oder Alkohol konsumiert haben. Es ist schwer, sich aus eigener Kraft wieder aus dem Sumpf ziehen, einfacher, gar nicht erst damit anzufangen. Ich kann euch allen nur empfehlen, andere Abenteuer zu suchen, Schwächen und Stärken testen muss man nicht bei Drogen und Alkohol.“ Der Sorge, nicht erwünscht zu sein in Vereinen vor Ort, begegnete van Dinther mit einem Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein und Eigeninitiative: „Nimm deine Kumpels mit. Wenn ihr zu viert zur Freiwilligen Feuerwehr geht und sagt, ihr wollt mitmachen, schicken die euch doch nicht weg!“ Da Gymnasiasten eher aus ihrer Geburtsstadt wegziehen würden, sei es besonders wichtig für die Hauptschüler, sich um ihre Stadt zu kümmern.
 
 (Text und Fotos: Doro Dietsch/ Landtag NRW)