Veranstaltung musste spontan verlängert werden

Die erste Frage, die der Landtagspräsidentin Regina van Dinther in der Realschule Letmathe in Iserlohn am 10. Dezember 2007 gestellt wurde, war eigentlich eine Fangfrage: "Wie finden Sie Schulkleidung?" fragte ein gewitzter Junge, der ebenso wie alle seine Mitschüler brav in der schwarz-weißen Schulkleidung der Realschule vor ihr in der Bankreihe saß. Als die Präsidentin erwartungsgemäß "gut" antwortete, hakte er nach: "Warum machen Sie kein Gesetz, dass allen Schulen das vorgeschrieben wird?" Ganz so einfach ist es nicht - die Präsidentin kann nicht einfach Gesetze machen über Dinge, die sie gut findet. Das erfuhren die Schüler in einer fast dreistündigen Diskussion.
Die 12- bis 16-Jährigen hatten so viele Fragen, dass nach zwei Stunden eine kurze Pause gemacht wurde und dann weitere Fragen an die Präsidentin gestellt werden konnten. Zuvor hatte ihr das Schulorchester ein Ständchen gegeben.

Da die Schule keine Aula besitzt und das Foyer für die Veranstaltung umfunktioniert wurde, hatten die Politiklehrer aus den Stufen 6 bis 10 je 30 politisch interessierte Schüler ausgewählt, die teilnehmen durften. Alle 830 Schüler/Innen hätten keinen Platz gefunden.
"Hallo erstmal", hatte sich der erste Schüler vorgestellt, bevor er eine Frage formulierte. Und alle nachfolgende Fragesteller taten es ihm nach: "Zu erst einmal hallo, meine Frage ist…"
Dass politisch Interessierte ausgesucht wurden, merkte man den Fragen an: Spart auch der Landtag? Was halten Sie vom Mindestlohn? Wieso wollten Sie Politikerin werden? Was hat sich in Ihrer Familie verändert, seit Sie Präsidentin sind? Was würden Sie tun, wenn Sie Bundeskanzlerin wären? Was ist, wenn es im Landtag 50:50 steht? Normalerweise, erklärte die Präsidentin, könne das bei 187 Abgeordneten nicht passieren - es sei denn, es seien nicht alle bei Abstimmungen anwesend. Ob sie holländische Vorfahren habe - oder warum ein "van" in ihrem Namen sei, wurde gefragt. Ihr Mann habe holländische Vorfahren, die seien als Straßenpflasterer nach Deutschland gekommen, erklärte van Dinther.
Ob Sie selber mal Klassensprecherin gewesen sei? Das nicht, sagte sie, aber sie habe eine kirchliche Jugendgruppe geleitet. Was sie selbst gegen den Klimawandel tue, wollten die Kids wissen. Sie habe eine Regenwassergewinnungsanlage zu Hause, nutze keine Plastiktüten und morgens, wenn keiner zu Hause sei, werde nicht geheizt, führte Regina van Dinther aus.
Um halb eins musste Schulleiterin Gisela Scholte die Fragestunden beenden, denn im Rathaus wartete bereits der Bürgermeister der Stadt Iserlohn, Klaus Müller, mit dem Goldenen Buch. In das hatten sich vor der Landtagspräsidentin bereits Kofi Anan und Bill Clinton eingetragen. Und im Ratssaal saßen Vertreter aller mit Iserlohn verbundener Städtepartnerschaften. In einem Grußwort, das simultan in mehrere Sprachen übersetzt wurde, ging van Dinther auch hier auf das Thema Jugend ein: "Heute ist es viel einfacher, Kontakt über Landesgrenzen hinweg zu halten - per Mail und in Chatrooms. Das sehe ich an meinen Kindern, die einen Schüleraustausch mit Ungarn haben!"
(Text und Fotos: Doro Dietsch/ Landtag NRW)
