Sie mag nur Filme mit Happy End

Aber zum Fernsehschauen komme sie ohnehin nicht mehr, verriet die Landtagspräsidentin in der Anne-Frank-Realschule in Ibbenbüren

Sehr freundlich empfangen wurde Landtagspräsidentin Regina van Dinther in der Anne-Frank-Realschule in Ibbenbüren: Die neuen Fünftklässler in Schulkleidung brachten Rosen zur Begrüßung, hatten sich Willkommenschilder anheftet und fragten nach Autogrammkarten.
Eine Schülerin hatte sogar mit Hilfe der Internetseite der Präsidentin eine eigene Powerpoint-Präsentation vorbereitet und so die Mitschüler schon vor dem Eintreffen über den persönlichen Lebensweg von Regina van Dinther in der Aula informiert.
Auch die Jugendbroschüre des Landtags hatten alle schon gelesen. 150 Schülerinnen und Schüler der sozial-wissenschaftlichen Kurse durften dann mehr als zwei Stunden lang Fragen stellen. 
  
  
  Hier eine Auswahl der Fragen der Jugendlichen und die Antworten der Präsidentin -

Schüler/in: Kochen Sie am Wochenende noch für Ihre Familie?
van Dinther: Dazu komme ich kaum noch. Ich habe einen Mann, der gut kochen kann!
Schüler/in: Denken Sie bei Entscheidungen manchmal, ob das richtig war?
van Dinther: Ja, immer, deshalb laden wir auch immer viele Experten in den Landtag ein und machen erst ein Gesetz, wenn wir ganz viel darüber gesprochen haben. Manchmal müssen wir sogar ein Gesetz noch mal ändern, das wir verabschiedet haben.
Schüler/in: An das Landtaggebäude soll ja jetzt angebaut werden - bleibt die runde Form erhalten?
van Dinther: Ja, das ist ja ein Kunstwerk, deshalb müssen wir den Architekten immer fragen.
Schüler/in: Wie viele Stunden arbeiten Sie?
van Dinther: 300 bis 360 Stunden pro Monat.
Schüler/in: Wie wichtig war der schulische Werdegang für den beruflichen Erfolg?
van Dinther: Sehr wichtig ist, immer weiter zu lernen. Alle müssen sich aufmachen und gut lernen, besonders auch die Mädchen. Ihr habt alle Chancen in ihrem Leben! Schüler/in: Werden sie viel angeschrieben?
van Dinther: Jeden Tag - und ich werde auch viel angerufen, da gibt es keine Hemmungen. Oft werde ich gefragt, ob ich helfen kann. Viele sind ganz nett, aber manche sind auch unverschämt. Als Politiker ist man ein öffentlicher Mensch geworden, damit muss man leben.
Schüler/in: Haben Sie mehrere Dienstfahrzeuge?
van Dinther: Nein, immer eines, das wird jedes Jahr gewechselt und von großen Firmen sehr günstig angeboten. Aber das gepanzerte Auto des Ministerpräsidenten wird nicht jedes Jahr gewechselt. 
 
Schüler/in: Können Sie noch ihre Freundschaften pflegen? van Dinther: Ich habe das große Glück, das ich in meiner Heimat wohnen geblieben bin und meine Geschwister unsere gemeinsamen Freundschaften pflegen. Zum Beispiel tanzt mein Mann nicht gerne und wenn ich irgendwo hin muss, wo getanzt wird, nehme ich einen Freund mit. Schüler/in: Wie finden Sie die Zensur der olympischen Spiele? van Dinther: Die Olympische Idee entspringt aus der ältesten Demokratie der Welt, aus Griechenland. Wir haben erwartet, dass das in China nicht ganz reibungslos geht. Die Chinesen bemühen sich, aber ich glaube trotzdem, dass es ein Experiment war, das sich gelohnt hat und dass sie gezwungen werden, umzudenken. Schüler/in: Was sagen Sie zum Rauchverbot? van Dinther: Wir haben neue Forschungsergebnisse, dass an jedem Tag drei Nichtraucher sterben durch den Rauch anderer. Und wir sind ja auch dafür gewählt, diese Menschen zu schützen, das manchen wir ja in anderen Bereichen auch. Deshalb haben wir ein Nichtraucherschutzgesetz gemacht. Ich sollte mal bei der Skateuropameisterschaft der Frauen eine Rede halten - da haben alle geraucht, die sah ich gar nicht durch den ganzen Rauch. Da war meine Stimme weg. Jetzt ist es so, dass es abends wirklich wesentlich angenehmer ist, eine Rede zu halten. Schüler/in: Meine Eltern haben eine Kneipe, die ist kleiner als 75 Quadratmeter, darf da nun weiter geraucht werden? van Dinther: Ja, die müssen aber ein Schild vor die Tür machen "Raucherkneipe". Schüler/in: Was ist ihr größter privater Wunsch? van Dinther: Dass meine Kinder und die nächste Generation auch Glück erleben wie ich - mit vielen Kindern, mit Geschwistern, mit Menschen, die einen gerne haben. Schüler/in: Was gucken sie im Fernsehen? van Dinther: Nur Filme mit "Happy end". Schüler/in: Ist die Familie oder die Karriere wichtiger? van Dinther: Am Ende ist immer die Familie wichtiger. Wenn ich jetzt in eine leere Bude nach Hause käme, könnte ich keine glückliche Präsidentin sein. Das würde mir mehr fehlen, als wenn ich meinen Job nicht hätte. Schüler/in: Wie bereiten Sie sich auf eine Sitzung im Plenum vor? van Dinther: Ich werde vorbereitet von meinen Mitarbeitern. Nichts fällt vom Himmel, alles muss erarbeitet werden. Schüler/in: Mit wem würden sie gerne einen Monat lang das Leben tauschen? van Dinther: Es gibt Leute, die mich beeindrucken, aber tauschen möchte ich mit denen nicht. Zum Beispiel nicht mit Angela Merkel. Schüler/in: Wurden Sie schon mal bedroht? van Dinther: Ich wurde schon überzogen mit Boshaftigkeiten, mir wurden Fettnäpfchen aufgestellt, es gibt auch Drohbriefe, aber von denen fühle ich mich nicht wikrlich bedroht. Schüler/in: Wie oft verreisen Sie? van Dinther: Einmal im Monat nach Berlin und einmal im Monat ins Ausland. Schüler/in: Würden Sie Ihre Karriere aufgeben, um Ihre Mutter zu pflegen? van Dinther: Selbstverständlich, aber ich habe das Glück, vier Geschwister zu haben, die sich auch zuständig fühlen, so dass ich mein Amt nicht aufgeben müsste. Aber wenn zum Beispiel mein Mann schwer krank würde, würde ich das machen.
 
 
 
Im Anschluss besuchte die Landtagspräsidentin das Bergwerk in Ibbenbüren, das einzige Bergwerk, das als GmbH geführt wird (RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH). Das Werk genießt eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung in Ibbenbüren und bei allen Pateien. Die Bezirksregierung Arnsberg prüft zurzeit die Genehmigung eines Rahmenbetriebsplans bis zum Jahr 2020. Diese ist unabhängig von der kohlenpolitischen Vereinbarung, die eine ein Auslaufen des Bergbaus in NRW spätestens im Jahre 2018 vorsieht. Ibbenbüren hofft auf eine weiter steigende Nachfrage nach Energieträgern und damit auf höhere Preise für Kohle auf dem Markt, so dass das Bergwerk nur wenig Subventionen brauchen und sich weitgehend selbst tragen könnte. Geschäftsführer Wilfried Woller: "Für uns ist wichtig, dass unsere Beschäftigten eine Chance in der Region haben und ihre Kinder hier Arbeit finden. Wir würden uns nicht wehren, RWE dieses Bergwerk gegen eine Arbeitsplatzsicherung anzubieten." Unzufrieden äußerte sich Betriebsratschef Jürgen Knibutat über die die Pläne, Bergleute von der Saar und von der Ruhr nach Ibbenbüren zu versetzen: "Wenn ältere Arbeitnehmer für die restlichen Berufsjahre hierher kommen und wir dafür die jungen Einheimischen entlassen müssen, sinkt die Wirtschaftlichkeit des Werkes und die Akzeptanz in der Bevölkerung." Die Präsidentin äußerte Verständnis für die Sorgen des Bergbaus ("Ich bin ein Kind des Ruhrgebietes und mit diesen Themen vertraut"), wies aber auch auf die enormen Schulden des Landes NRW und den nötigen Subventionsabbau hin. "Jetzt haben sich die Weltmarktpreise für Kohle gerade verbessert, aber ich bezweifle, dass das so bleibt. Die Frage ist, wie viel die Bürger bereit sind, für Energie zu zahlen", sagte sie und erklärte, sie habe früher in der Bekleidungsindustrie gearbeitet : "Dort habe ich als Bekleidungsingenieurin erlebt, dass Veränderungen in der beruflichen Welt stattgefunden haben ohne Subventionen." Auch in Ibbenbüren wurde die Zahl der Beschäftigten im Bergwerk schon drastisch reduziert, ohne dass die Arbeitslosenquote in der Region gestiegen wäre. Ob die heimische Steinkohle eine Chance hat, wirtschaftlich gefördert zu werden, wird 2012 überprüft. Wenn nicht, muss die Zeche ebenso wie die Zechen Auguste Victoria und Prosper Haniel bis 2018 geschlossen werden. (Text und Fotos: Doro Dietsch/ Landtag NRW. Weitere Berichte über Schulbesuche des Präsidiums finden sich links in der Rubrik "Schulbesuche".) Im Ausbildungszentrum des Bergwerks Ibbenbüren: (Vorne von links) Wilhelm Baumgärtel (Geschäftsführer), Regina van Dinther, Wilfried Woller (Geschäftsführer), Angelika Wedderhoff (stellvertretende Bürgermeisterin). Hinten (Mitte): Jürgen Knibutat (Betriebsratschef).